…. oder auch “Der goldene Garten”.
Vielen unter dem Begriff Kleingarten bekannt. Wir Österreicher sagen liebevoll “Schrebagartler” dazu.
Heute möchte ich über so einen “Mustergarten” erzählen.
Denn auch meine Familie durften sich zu den stolzen Besitzern eines Schrebergarten zählen.
Einige Gegebenheiten werde ich nie vergessen.
Zitat:
Es grünt so grün, wenn ja alle Mitglieder an dem selben Strang ziehn.
Wie oben schon erwähnt waren wir im Besitz eines kleinen Schrebergartens in einem Kleingartenverein. Anfangs liebten wir unsere grüne Oase, doch mit der Zeit wurde sie nur noch ein Klotz am Bein.
Ich kann mich noch genau an die verschiedenen Düfte erinnern.
An unsere wackelige alte Gartenhütte anno 1976 und die vielen Blumen- bzw. Gemüsebeete.
Wir Kinder mussten immer sehr freundlich und laut sämtliche Nachbarn beim Nachnamen grüßen. Das wurde verlangt. Und da unsere Hütte ziemlich im hinteren Bereich stand, kamen wir in so manchen Grüßstress. Taten wir es nicht, wurden unsere Eltern sofort angesprochen und in Erziehungsfragen belehrt.
Motormäher waren strikt verboten.
Darum hatte mein Papa so ein komisches Handschiebeding.
Mehr als einmal vielen wir durch eine sogenannte Gartenkontrolle durch. Da kamen ein paar ältere, schwitzende gut beleibte “klugscheissende” Herren und prüften genau unseren Rasen, Baumschnitt usw……
Kein Unkraut wollten sie darin sehen. Das war dann die Arbeit von uns Kinder. Jessie und ich mussten das “scheiß” Unkraut aus der Wiese stechen.
Und die Seitenleisten des Rasens wurden noch mal mit einer kleinen Rasenschere händisch nachgeschnitten.
Damals war Umweltschutz noch nicht wirklich ein großes Thema, und so spritze der ganze Verein Literweise Pflanzengift auf Bäume, Rasen, Beete usw..
Punkt 12 – 14 Uhr war Mittagspause. Da durfte man dann nur flüstern.
Ich übertreibe nicht.
Denn wir waren von Senioren umgeben. Und diese wollten schließlich ihre seelige Ruhe haben. Wir Kinder wurden sozusagen “geknebelt”.
Den ersten Wirbel gab es, als man Jessie und mich flagranti auf einem Marillenbaum auf “Parzelle Fremd” erwischte. Wir dachten, dass unsere Aktion bei den vielen schlafenden Rentner eh unbemerkt blieb. Dass der Kleingartenverein eine Mittagsaufsicht neu beschäftigte, mit dem rechneten wir nicht.
Ab nun waren wir geächtet.
Dass wir nur Kinder waren, kam keinem einzigen in den Sinn.
So dauerte es auch nicht lange, und meine Familie hatte den nächsten Anschiss.
Denn Grillen war nur zu bestimmten Zeiten erlaubt. Wegen dem “ekeligen” Geruch.
So flatterte auch bald ein blauer Brief in den Briefkasten der Familie S.
Denn mein Vater wagte es, außerhalb der angegebenen Zeiten seine Familie mit vorzüglich gegrillten Essen zu versorgen.
Typischer Fall von “da siehst es – da hast es.”
Im Nachhinein erfuhren wir, dass sogar unseretwegen eine Sitzung angesetzt wurde. Lol….
Jessie und ich spielten für unser Leben gerne Bäcker.
So matschten wir Lehm mit Wasser zu Broten + Semmeln und legten diese zum Trocknen auf den öffentlichen Weg.
Dass Frau Pfadl von Schrebergarten oberhalb keine Augen im Kopf hatte, das war nicht unser Problem. Auf alle Fälle rutschte die “Pute” auf unseren schönen Brötchen aus und verknackste sich den Knöchel.
Und wieder waren wir Gesprächsthema Nummer 1.
Damals galt aus so wie heute noch das Gesetz. Alles was über den Zaun vom Nachbarn wächst, das kann man ruhig abschneiden. Ja, und wir schnippelten.
Nachbar Brandstätter Parzelle recht neben uns züchtete für sein Leben gerne Bäume und Stauden.
Das war das 1 Mal, dass ich die Vorstandmitglieder, die Polizei und eine fliegende Mistgabel gesehen habe. Nämlich aus der zitternden Hand unsers schreienden Nachbars in unseren Garten – Richtung Papa. Dabei waren wir im Recht.
Inzwischen war der Knöchel von Frau Pfadl oberhalb wieder genesen, und die Familie lud (nur ausgewählte Gartler) zum Spanferkelgrillen ein. Dazu hatte die Familie ein überaus entzückendes kleines Babyschweinchen in eine Box gesperrt, das sie dann dem Bauern zum Abstechen bringen wollten um es danach frisch auf den Spieß zu braten.
Jessie und ich hatten Tränen in den Augen. Wir gaben Porky einen Namen und schmiedeten Plan B. Befreiung von Babyschwein.
Gesagt-getan.
An einem unbemerkten Moment, als die Pfadels hinter ihrer Hütte verschwanden starteten wir unsere Befreiungsaktion und liesen Porky frei. Das laut freudig grunzend in den verschiedensten Gärten herum “ratterte”.
Schlussendlich wurde es doch geschlachtet.
Man legte meiner Familie nahe, den Schrebergarten zu verkaufen.
Wenn sie könnten, hätten sie uns auf die Minute aus dem Kleingartenverein rausgeschmissen.
Ein paar Monate später verkauften wir den Garten.
Ein Jahr später kauften meine Eltern ein Haus mit Grundstück. So hatten wir unser grünes Eldorado ohne diese pingeligen “Mitgärtler.”
Später erfuhren wir Kinder, dass Papa damals mit seiner Meinung nicht hinterm Berg hielt und dem einen oder anderen Schrebergarten-Mitglied die Meinung geigte, bevor er freiwillig ging. Stolz auf ihn bin…
Bild:pixelio





Twitter: ninedragons
Also gibt es diese Schrebergartennazis auch in Österreich… Ich dachte, die wären eine deutsche Erfindung!
Ähnliche Geschichten kenne ich von verschiedenen Leuten, die einen Schrebergarten gepachtet haben, sowie aus eigenen Erfahrungen aus der Kindheit. Da sitzt man dann als Kind mucksmäuschenstill zwischen einem Haufen Gartenzwerge, langweilt sich zu Tode und wartet darauf, dass es endlich 15:00 Uhr wird, damit man wieder Geräusche machen darf. Nicht lustig.
Twitter: Fr_Erdbeere
Lach, sehr schöne Geschichte und so mit Wahrheit gefüllt. Der blanke Horror so eine “Einrichtung”. Anders kann man es eigentlich gar nicht betitelt. Reglementiert bis zum geht nicht mehr. Das Eldorado des Kleinbürgertums par excellence
Frühsommerlichegrüße
Erdbeere
… und dann gibt es da Leute, die sagen, so Schrebergärten seien spießig…
Klopf deinem Papa auf die Schultern, wenn du ihn das nächste Mal siehst – heut noch
Griassle, Eveline
Twitter: PatsyBerlin
Genau das sind die Gründe warum ich keinen Schrebergarten haben wollen würde….. diese ganzen Regeln und wehe man macht nicht alles so, wie es die Mehrheit beschlossen hat
Nee nee, dann lieber ein eigenes Stückchen Garten oder eine öffentliche Wiese
Boah, solche Geschichten hört man ja immer wieder … Wahrscheinlich muss man wirklich zu einer besonderen Spezies Mensch gehören, um sich dort wohl zu fühlen.
Lieben Gruß – ohne Schrebergarten –
Iris
Twitter: falterchen
Wir haben auch einen besessen, 4 Jahre lang, war eine schöne Zeit, zum Teil aber auch nicht. Mal abgesehen von der Vereinsmeierei, die so gar nicht unser Ding ist, waren wir den Widrigkeiten des Gartens irgendwann nicht mehr gewachsen. Wir haben zum Glück schnell einen Nachpächter gefunden, sonst hätten wir den gesamten Garten für ca.3000€ plan machen lassen müssen, samt Hütte und allem Pipapo.
Wir sind geheilt, haben nun nur noch einen Balkon und einen Gemeinschaftsgarten, den aber nur die Kids benutzen und zum Glück sind wir nur zu zwei Parteien im Haus.
Liebe Grüße
Julia :-)
Twitter: nila_73



@Andrea: Lol, ich glaube diese Schrebergartenfuzzis sind Länder übergreifend. Ich will nichts alles schlecht reden. Wir hatten auch schöne Zeiten in dem Garten. Aber nachher in unserem eigenen Garten war das Feeling komplett
@Erdbeere: Du sagst es. Heute ist mir sowas viel zu Kleinbürgerlich. Ich würde das nicht aushalten
@Eveline: Grins, ich sage Papa einen schönen Gruß von dir
@patsy: Kann ich dich voll verstehen. Ich würde die Krätze bekommen, wen mir dauernd vorgeschrieben wird, was ich in meinem Garten machen und tun darf und was nicht
@Julia: Ich kann mich auch an schöne Zeiten erinnern. Nur der “Vereinsscheiß” war am Ende nicht mehr auszuhalten. Am schlimmsten war dieser Vereinsvorstand.
Twitter: nila_73
@Lilie: Lach, probiers einfach mal aus. Ich glaube aber auch, dass du da eine ganz besondere Sorte Mensch sein musst, um diese Vereinsmeierei auszuhalten
Twitter: brokenspirits
in diesen Schrebergärten ist wirklich JEDER Furz geregelt. Das geht sogar soweit, daß ein Bekannter einen Nachpächter gefunden hat, der dann aber abgelehnt wurde weil (und jetzt halt Dich fest) mit Aufnahme dieses Pächters in den Verein der Ausländeranteil im verein höher sei, als der offizielle Ausländerteil im betreffenden Wohnort. Aber kitschige Gartenzwerge zulassen…..
“Schrebergartennazis” trifft es also ganz gut. Ich habe den Gedanken, diesem Haufen beizutreten, nach dieser Erzählung verworfen.
Die Musik, die dann bei vereinstreffen läuft, gefällt mir btw. auch nicht.
Da ginge noch einiges….. ich mache mir vielleicht doch noch einen Namen als Schrebergartenterrorist. Als erstes wird Hopfen angebaut
Und dann: Paaaarty…. mit einem 500 Watt Gitarrenverstärker geht da was…!
Ich habe ja nun auch einen Garten in einer Kolonie. Aber es ist sehr locker, Jeder macht das was er gerade will. Wenn ich mal nicht will, dann gammel ich einfach nur und Unkraut, das kann bei mir an bestimmten stellen auch stehenbleiben. Wir haben zwar auch viele Senioren in der Anlage, aber Kinder sind immer willkommen.
Twitter: nila_73
@BrokenSprirts: Oha, also gibt es diese “Vereinsmeierei” heute auch noch. Ich kann ja nur von den später 70iger frühen 80iger Jahren sprechen. Das mit dem Ausländeranteil ist schon heftig und schockiert mich. Sehr Kleinbürgerlich. und mit kleinbürgerlicher Art kommme ich gar nicht gut aus. Da ich unheimlich weltoffen und amikal veranlagt bin. Da kann ich deine Einstellung schon verstehn
@brunohs: Da hast du glaube ich echt einen wahren Glücksgriff mit deiner Kleingartenanlage getroffen. Das man sich dann dort wohl fühlt, kann ich nachvollziehen.
Twitter: Schaps
Sehr nette Geschichte! Und mir kommts gleich hoch…vor lauter Spießertum! :D
Also im Ernst, Schrebergärtner sind der Traum eines jeden Spießers und Langweilers, coole Familie ausgeschlossen. Aber wenn ich schon immer sehe was für Regeln es da gibt, dann würd ich niemals auf die Idee kommen mir so ein Ding zu besorgen :)
Twitter: lifeaintperfect
Was es alles für Geschichten gibt um derartige Gärten :D höhö
wollt nur kurz anmerken, dass ich dich mal auf meinem blog mitverlinke :) sofern du nichts dagegen hast….
Grüße und nen schönen 1. Mai
So ein Schrebergarten ist ja als privater Rückzugsort aus dem ganzen Stadttrubel ja ganz sinnvoll, wenn man aber dann auch hier statt auf Freiheit und Natur auf spießbürgerlichen Regelungs-Fanatismus trifft, dann verliert auch dieser an sich idyllische Erholungsort stark an Reiz.
Das klingt ja grausam, liebe Nila.
Das wär nix für mich.
Mein Bruder hat auch einen Schrebergarten, aber da habe ich noch nicht solche Geschichten gehört. Klar Vorschriften gibt es da auch, aber ich glaube die sind da nicht so dramatisch.
Liebe Grüße,
Martina
Twitter: nila_73

@Schaps: Ich weiß nicht, wie es heute ist. Damals war es wie du so schön schreibst. Einfach nur Spießertum
@Anja: Ich fühle mich sehr geehrt
@Gartenfreund: Du sagst es. Ich kann aber aus eigener Erfahrung nur von den späten 70iger bzw. frühen 80iger Jahren sprechen.
@Mamü: Ich denke mal die Vorschriften werden sich auch mit der Zeit gelockert haben. Damals war halt noch ein ziemlich strenges Regiment
Twitter: hombertho
Solche Schrebergarten Horror Geschichten habe ich schon einige gehört. Ich würde mir nie einen Schrebergarten im klassischen sinne mieten. Da sind die Auflagen einfach nur so hoch und wenn man sich nicht dran hält, dann ist man schnell unten durch. Das sind 5 Gärten die auf der einen Seite an einem Fluss grenzen und auf der anderen Seite Felder http://tiny.cc/ckac Da kann man auch so laut sein wie man möchte und abends und Nachts ist man da fast alleine. Da wurden schon einige legendäre Feste gefeiert. Einziges Minus: Es gibt kein Strom.
vg Thomas
Twitter: nila_73
@Thomas: Solchen Gärten wie du die 5 beschreibst, das kann ich mir auch gut vorstellen. Wo keine Vereinsmeierei herrscht. Naja, Strom wäre dann schon klasse